Kinder mit autistischen Störungen sind in der Entwicklung und im Gebrauch von Sprache und Kommunikation massiv beeinträchtigt. Die nichtsprachlichen und sprachlichen Ausdrucksbereiche sind auf unterschiedlichen Ebenen auffällig.
Sprachanbahnung mit autistischen Kindern und Jugendlichen beginnt mit der Förderung basaler Fähigkeiten zur Interaktion, die vielen Betroffenen schwer fällt: Blickkontakt, Teilen des gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus und angemessene nonverbale Kommunikation in Bezug auf Bedürfnisse, Emotionen, Ablehnung und Zustimmung. Darauf aufbauend wird in der Sprachtherapie – orientiert an den individuellen Möglichkeiten und Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen – mit dem Auf- und Ausbau des Sprachverständnisses, der Anbahnung erster Laute und Wörter und der Erweiterung der Äußerungsstrukturen begonnen. Unangemessenes Kommunikationsverhalten, sprachliche Stereotypien und Fehlentwicklungen in Laut-, Wortschatz- und Grammatikentwicklung sollen dabei gehemmt und durch angemessenes Sprachverhalten ersetzt werden.
Auf die besonderen Schwierigkeiten autistischer Kinder und Jugendlicher in den Bereichen Aufmerksamkeit, Sprachwahrnehmung und Sprachwahrnehmungsverarbeitung, Imitation und Handlungssteuerung wird durch die entsprechende Gestaltung der Therapiesituation eingegangen. Elemente der Sprachtherapie sind strukturierte Übungssituationen wie auch freie Interaktionen, in denen die Kinder und Jugendlichen beim Ausdruck ihrer Bedürfnisse mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmitteln Hilfestellung erfahren. Lautsprachebegleitende Gebärden und das ungestützte und gestützte Zeigen auf Objekte, Bilder, Buchstaben und/oder Wörter dienen als Ergänzung und als Schritt hin zu gesprochener Sprache oder aber als alternative Kommunikationsform.
Ziel ist, Kommunikationssituationen für die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten als erfahrbar, lohnend und motivierend zu gestalten. Sprachtherapeutin und pädagogische Mitarbeiter arbeiten zusammen, um den Transfer erworbener Fähigkeiten in den Alltag zu ermöglichen. Auch die Eltern werden im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbezogen. Bei einzelnen Kindern sind darüber hinaus Stimulationen und Übungen zur Regulation der Atmung und der Wahrnehmung und Beweglichkeit der Mundfunktionen Teil der Therapie.
Kinder mit Autismus haben oft Schwierigkeiten, Mimik und Gestik anderer zu deuten, Lautsprache zu verstehen und Aufforderungen umzusetzen. Pädagogische und therapeutische Mitarbeiter begleiten daher Schlüsselwörter ihrer Äußerungen und Aufforderungen durch Gebärden, um die Verständlichkeit zu erhöhen. Die Bewegungen der Hände binden die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen und sprechen zusätzlich den visuellen Kanal an. Umgekehrt werden auch die Kinder und Jugendlichen angeleitet, Zeigegesten und lautsprachebegleitende Gebärden zur Kommunikation einzusetzen. Diese können mit den Kindern in Handführung erarbeitet werden, sind sichtbar und „greifbar“ und regen zu Auge-Hand-Koordination und Imitation an.
Mit der Methode der lautsprachebegleitenden Gebärden, die im gesamten Tagesablauf zum Einsatz kommt, kann die Verständigung mit den Kinder verbessert und ihre Begriffsbildung gefördert werden. Nicht selten zeigen die Kinder in Folge mehr und aktiveres kommunikatives Verhalten gegenüber Betreuungspersonen und Gleichaltrigen. Bei einigen Kinder dienen die Gebärden gleichsam als „motorischer Anker“, der ihnen hilft, die dazugehörigen Wörter zu speichern und zu erinnern. So kann auch die Verbalsprachentwicklung angeregt werden.
Gemäß der Prinzipien der Fördermethode TEACCH – Visualisierung und Struktur – dienen Wort-Bildkarten dazu, den Kindern die Abfolge von Angeboten und Anforderungen ihres Tagesplanes zu verdeutlichen. Auch Arbeitsplätze, Räume, Schränke, Materialien und Spielsachen können so gekennzeichnet werden. Die verwendeten Fotos oder Piktogramme sprechen den visuellen Sinneskanal an und haben einen hohen Aufforderungscharakter. Sie bieten Mitarbeitern und Kindern vielfältige Möglichkeiten, Bedürfnisse, Aufforderungen und Angebote mitzuteilen. In Anlehnung an die PECS-Methode (Picture Exchange Communication System) wird in der Sprachtherapie die Motivation der Kinder zum Einfordern von Spielsachen und Angeboten genutzt, um die selbstständige, kommunikative Übergabe von Karten gezielt anzubahnen. Auch hier werden gesprochenes Wort und Karte miteinander gekoppelt, um die Verbalsprachentwicklung anzuregen.
Der Begriff geht auf den englischen Ausdruck „Facilitated Communication“(FC) zurück. Diese Methode wird seit Mitte der 90er Jahre auch im Therapiezentrum angewandt. Sie resultiert aus der Erfahrung, dass Berührungen helfen können, eine motorische Aufgabe auszuführen. Durch die Stütze an der Hand, am Arm und bei zunehmender Sicherheit und Erfahrung bis hin zur Schulter können manche Kinder motorische Anforderungen, wie z.B. das gezielte Zeigen von Buchstaben, erlernen. So werden unter dem Einsatz von Objekten, Ja-/Nein-Karten, Bild-, Wort-, Buchstaben- und Zahlenkarten und Computern im Alltag wie im Unterricht neue Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet. Die gestützte Kommunikation wird sowohl im Gruppenalltag als auch im Unterricht eingesetzt; einige Kinder sind auf diesem Weg in der Lage, ihre Kenntnisse im Rechnen oder Schreiben zu zeigen.
Bei dieser Kommunikationsmethode ist das autistische Kind jedoch immer auf die physische wie psychische Stütze durch einen Erwachsenen angewiesen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass mehrere Personen (Eltern, Pädagoge, Therapeut, Geschwister) als Stützer zur Verfügung stehen. Für die Arbeit als Stützer ist es erforderlich, sich umfassend fortzubilden, um einen sicheren, verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit dieser Methode zu erlernen.
Für das Gelingen der Methode ist es wichtig, dass der Stützer viel Geduld und Verständnis mitbringt. Für einen Menschen mit Autismus bedeutet es häufig eine große Überwindung, sich anderen zu öffnen und mitzuteilen. Ziel der Methode ist die möglichst selbständige Benutzung eines Kommunikationsgerätes. Ist das Kind in der Lage mittels dieser Methode zu kommunizieren, wird diese Fähigkeit in den Alltag integriert.
Aufgrund der engen physischen wie psychischen Zusammenarbeit zwischen dem autistischen Kind und dem Stützer und der bislang wissenschaftlichen Ungeklärtheit hinsichtlich seiner Wirkung bedarf diese Methode nach wie vor der kritischen Betrachtung und Selbstreflexion.