Förderung des aktiven Sprachgebrauchs
Sprachanbahnung und Sprachtherapie mit autistischen Kindern und Jugendlichen beginnen bei der Förderung basaler Fähigkeiten zur Interaktion, die vielen Betroffenen schwer fällt: Blickkontakt, Teilen der gemeinsamen Aufmerksamkeit, angemessene, nonverbale Kommunikation. Darauf aufbauend kann mit dem Auf- und Ausbau des Sprachverständnisses, der Anbahnung erster Laute und Wörter und der Erweiterung der Mitteilungsstrukturen begonnen werden. Sprachliche Stereotypien und Fehlentwicklungen in der Lautbildung, im Wortschatz und der Grammatik werden dabei durch angemessenes Sprachverhalten ersetzt. Es ist notwendig, dass Sprache ständig gefördert wird. In den Wohngruppen wird der aktive Sprachgebrauch vorwiegend in Alltagssituationen, wie z.B. beim Essen und bei der Hygiene geübt. Kinder und Jugendliche mit Sprache werden motiviert, deutlicher, angemessener oder häufiger zu sprechen. Kinder und Jugendliche, die keine oder wenig Sprache erworben haben, werden zumeist spielerisch zum Lautieren ermutigt. Tätigkeiten werden mit Sprache begleitet.
Gebärden
Menschen mit Autismus haben oft Schwierigkeiten, Lautsprache im kommunikativen Sinn zu verstehen und Aufforderungen umzusetzen. Es fällt ihnen häufig schwer, Mimik und Gestik zu deuten. Hier kann die Lautsprachbegleitende Gebärde einsetzen, die sich als eigenständiges Kommunikationsmittel eignet. Die Gebärden fördern das Sprachverständnis und die Sprachanbahnung. Bei der Gebärdensprache werden Worte, Begriffe und Sätze mit Handzeichen deutlich gemacht und verbal begleitet. Gebärden und Zeigegesten haben gegenüber der verbalen Sprache den Vorteil, dass sie durch körperliche Hilfestellung angebahnt werden können. Die Lautsprachbegleitende Gebärdensprache spricht mehrere Sinnesbereiche gleichzeitig an. Durch die Visualisierung ist sie länger wahrnehmbar und „greifbar“. Mit der Anwendung dieser Methode kann es auch zu ersten kontrollierten Lautäußerungen kommen.
Im Weiteren wird Sprache durch die Gebärden unterstützt. Die Gebärden werden in der Wohngruppe vorwiegend in Alltagssituation geübt, so z.B. bei den Mahlzeiten. Es ist dabei sehr wichtig, dass die Gebärden einfach und nicht zu komplex sind. Durch die Gebärden entsteht eine Interaktion zwischen Bewohnern und Pädagogen.
Einsatz von Wort-Bildkarten
Der Einsatz von Wort-Bildkarten ist besonders im Alltag sehr geeignet, Verständigung mit den Kindern über den Tagesablauf und die Abfolge der unterschiedlichen Tätigkeiten zu erreichen. Im Weiteren können über die Karten Wünsche und Bedürfnisse mitgeteilt werden. Diese Kommunikationskarten haben einen hohen Aufforderungscharakter: Fotos, Symbole, Buchstaben und Worte bieten vielfache Möglichkeiten für Mitarbeiter und Kinder, um Bedürfnisse, Anforderungen und Handlungen mitzuteilen. Die Karten können helfen, Missverständnisse zu vermeiden.
Gestützte Kommunikation
Der Begriff geht auf den englischen Ausdruck „Facilitated Communication“ (FC) zurück. Diese Methode wird seit Mitte der 90er Jahre auch in den Einrichtungen des Therapiezentrums angewandt. Sie resultiert aus der Erfahrung, dass geringe Berührungen helfen können, eine motorische Aufgabe auszuführen. Durch die Stütze an der Hand, am Arm und bei zunehmender Sicherheit und Erfahrung bis hin zur Schulter, können manche Kinder motorische Anforderungen erlernen, wie z. B. das gezielte Zeigen von Buchstaben. So werden unter dem Einsatz von Ja-/Nein-Karten, Buchstaben- und Zahlenkarten sowie Computern im Alltag wie im Unterricht neue Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet. Ziel der Methode ist das möglichst sichere, selbstständige Zeigen auf Symbole, Bilder oder Buchstaben zum Zwecke der Kommunikation. Bei dieser Kommunikationsmethode ist das autistische Kind jedoch immer auf die physische wie psychische Stütze durch einen Erwachsenen angewiesen. Auf diesem Hintergrund ist es wichtig, dass mehrere Personen (Eltern, Pädagogen, Lehrer, Therapeut, Geschwister) als Stützer zur Verfügung stehen. Für die Arbeit als Stützer ist es erforderlich, sich umfassend fortzubilden, um einen sicheren, verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit der Methode zu erlernen. Für das Gelingen der Methode ist es wichtig, dass der Stützer viel Geduld und Verständnis mitbringt. Für einen Menschen mit Autismus bedeutet es häufig eine große Überwindung, sich jemand anderem gegenüber zu öffnen und mitzuteilen. Ist das Kind in der Lage, mittels Gestützter Kommunikation zu kommunizieren, wird diese Fähigkeit nicht isoliert, sondern in den Alltag integriert.
In der Wohngruppe wird die Methode der Gestützten Kommunikation vorwiegend für den Austausch über Alltagsgeschehnisse und Wünsche genutzt. Sie hat nicht das Ziel, Wissen abzufragen oder zu fördern. So steht im Vordergrund, ob sich das Kind oder der Jugendliche überhaupt äußern möchte. Diese Methode wird den Kindern und Jugendlichen immer wieder als Möglichkeit angeboten.



