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Spektrum: Autismus

Im allgemeinen Sprachgebrauch zeigt sich das Erscheinungsbild des Autismus  in einer Vielschichtigkeit der Begrifflichkeiten, wie z.B. „autistische Beeinträchtigung“, „autistische Störung“, „autistisches Krankheitsbild“, „autistische Behinderung“. In der Wissenschaft wurde der Autismus bisher diagnostisch unterteilt in „frühkindlicher Autismus“, „atypischer Autismus“ und „Asperger Syndrom“. Heute spricht man teilweise von einer „Autismus-Spektrums-Störung“, vom „autistischen Spektrum“ oder vom „autistischen Kontinuum“. Diese Begriffe assoziieren weitaus mehr Übergänge und verbindende Diagnosekriterien, als die bisherige Abgrenzung und Unterteilung es zuließ. In der THZ gGmbH wollen wir diese neuen Begriffe zunehmend einbeziehen, weil die Erfahrung zeigt, dass „ein Kontinuum von Symptomen und Schweregraden zu diesem Krankheitsbild gehört. Autismus-Spektrums-Störungen sind bei verschiedenen Kindern unterschiedlich ausgeprägt und verändern sich oft bei ein und demselben Kind im Laufe seiner Entwicklung.“ (Bernard-Opitz 2005). Die internationale Klassifikation  psychischer Störungen (ICD-10) ist maßgebend zur Diagnostik tiefgreifender Entwicklungsstörungen aus dem gesamten Bereich der autistischen Beeinträchtigungen. 

Typisch für eine autistische Störung sind grundlegende Defizite in den Bereichen des sozialen Miteinanders und der gegenseitigen Kommunikation. Sowohl Menschen mit frühkindlichem und atypischem Autismus als auch Menschen mit dem Asperger Syndrom fehlt es weitgehend an Verständnis für die Gedanken und Wünsche anderer und an Einfühlungsvermögen in ein Gegenüber und seine Gefühle. Das Interesse an anderen Menschen ist eingeschränkt, oftmals auf die eigene Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet. Das Verständnis sozialer Werte und Normen sowie gesellschaftlicher Regeln mit impliziten Erwartungen wird nicht oder sehr schlecht verstanden.

Bei Kindern, jugendlichen und erwachsenen Menschen mit frühkindlichem Autismus ist aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigungen und aufgrund der Komplexität ihrer Auffälligkeiten schnell auch für Außenstehende ihre Behinderung sichtbar. Am normalen kommunikativen und sozialen Miteinander teilzunehmen ist für sie nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Sie benötigen zum Leben und Lernen einen geschützten Rahmen, besondere Kommunikationsangebote und häufig sehr individuelle Rückzugsmöglichkeiten.

Menschen mit dem Asperger Syndrom hingegen erscheinen häufig erst auf den zweiten oder dritten Blick durch besonderes Verhalten, durch ungewöhnliche Reaktionen oder durch motorische Besonderheiten auffällig. Auch treten oftmals schnell ihre besonderen Begabungen und Fähigkeiten (Spezialinteressen) ins Blickfeld. Sie beeindrucken mit großem Sach- und Fachwissen und mit ihrem Blick auf Details. Im Gegensatz zu Kindern mit frühkindlichem Autismus besuchen Kinder und Jugendliche mit dem Asperger Syndrom aufgrund ihrer normalen kognitiven Fähigkeiten häufig Regelschulen. Sie sind in ihrer Grundschule oft die „auffälligen“, „besonderen“ oder „schwierigen“ Schüler, sowohl für ihre Lehrer als auch für ihre Mitschüler. Sie selbst begreifen ihre Umwelt nicht, verstehen nicht die rätselhaften sozialen Regeln Gleichaltriger und Erwachsener. Trotzdem werden sie – häufig in Unkenntnis ihrer wirklichen Probleme - in ihrem Verhalten an Regelkindern gemessen.

Um zu einer Diagnose im Autismus-Spektrum zu kommen, müssen aus allen drei Bereichen „Kommunikation“, „soziale Interaktion“ und „Spielverhalten“ eine oder mehrere qualitative Auffälligkeiten vorhanden sein. Beim atypischen Autismus fällt entweder das Diagnosealter aus den klassischen Diagnosekriterien heraus oder die Kinder zeigen in einzelnen Bereichen nicht die vorgeschriebene Anzahl der Items. Die Zusammensetzung und der Ausprägungsgrad der Symptome ist bei jedem Menschen mit Autismus sehr unterschiedlich, so dass diese Vielschichtigkeit der Phänomene ein breites Spektrum an Verhaltensmustern und Auffälligkeiten sichtbar werden lässt.